Dr. Emil Reicke schreibt 1896
zum Schembart-Lauf

 

Zurück... Das Wort "Schembart", in der Volkssprache Schembert, ist ein altes deutsches Wort und bedeutet so viel wie Larve oder Maske (man denke an das Wort Scheme, gleich Schatten), bei der der Bart das Hauptsächliche ist. Diese Erklärung drängt alle anderen, die früher versucht worden sind (schöner Bart, daher man auch gewöhnlich "Schönbartlaufen" schrieb und auch wohl heute noch schreibt, schöne Partei, Schandbart gleich schandbare Larve u.s.w.), als unhaltbar zurück.

Das Schembartlaufen ist also nichts weiter als ein Laufen in der Maske oder von Masken.

Die Tradition führt die Entstehung dieser Volksbelustigung auf Kaiser Karl IV. zurück, der den Gewerben der Metzger und Messerschmiede für ihre dem Rat bewiesene Treue sich eine Gnade auszubitten gestattet hätte.

Sie wählten, ob sie gleich etwas Besseres hätten erlangen können, nur einen Tanz zur Fastnachtszeit, bei dem sie Kleider von Sammet und Seide gleich den Geschlechtern tragen durften.

Darauf führten, angeblich zum erstenmale im Jahre 1350, die Metzger einen sogenannten "Zämertanz" auf, wobei sie sich unter andereinander an ledernen Ringen hielten, die wie Leberwürste aussahen. Nach vollbrachtem Tanz hielten sie ein festliches Mahl und Gelage.

Die Messerschmiede oder Messerer tanzten mit bloßen Schwertern, ebenfalls unter großem Aufwand, und zogen wie die Metzger, die Stadtpfeifer voran, durch die ganze Stadt. Der großen Kosten wegen aber hielten sie ihren Umzug anfänglich nur alle sieben Jahre und später mit noch größeren Zwischenräumen.

Diese Vergnügungen der Metzger und Messerer waren aber noch kein eigentlicher Schembart. Dieser soll vielmehr daraus entstanden sein, daß die beiden Gewerbe, um Platz für ihre Tänze und Aufzüge zu gewinnen, eine Anzahl junger Leute bestellten, und ihnen die Aufgabe übertrugen das zuschauende Volk zurückzuträngen.

Diese wurden in allerlei Mummerei gesteckt, setzten sich Larven auf und führten hölzerne Spieße und Quarten in der Hand, mit denen sie die Zuschauer wohl zurücktreiben, aber nicht verwunden konnten.

Die Kosten dafür trugen die beteiligten Gewerke.

Mit der Zeit aber wurde diesen und namentlich den Metzgern, die die Belustigung alljährlich abhielten, der Aufwand dafür zu groß und sie verkauften oder verliehen gewissermaßen ihr Recht dazu an andere.

Auch fanden sich junge Leute genug, und gerade aus den angesehenen Geschlechtern, die sich auf eigene Kosten kleideten und den Metzgern gern bei ihren Tänzen Schutz gewährten.

Sie bildeten eine Art Gesellschaft, doe später oft über 100 Personen zählte, und der der Rat, um Unordnung vorzubeugen, ein oder zwei Hauptleute erteilte.

Das Schembartlaufen geschah in folgender Weise: Voraus liefen, nach altem deutschen Gebrauch, mehrere Vermummte in Narrenkleidern, die mit Kolben und Pritschen in der Hand Platz machten. Hierauf kam ein Narr mit einem großen Sack voll Nüsse, welche er unter die Buben warf .... S.256
 

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