Der Schembartlauf heute
 

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Der Schempart war 90 Jahre lang von Bedeutung
Der originale Schembart "lebte" in einer eng begrenzten Zeit 50 Jahren vor 1500 und knapp 40 Jahre danach. Er bezog seine Energie aus den Bedingungen, unter denen die Nürnberger damals lebten: Verbot der Verkleidung und Vermummung, Wunsch nach Gesellschaftskritik. Der Schembart wurde deshalb von breiten Bevölkerungsschichten getragen. Handwerk und Patrizier wirkten darin zusammen, sich zu präsentieren und mit ihren Privilegien zu protzen, dem gemeinen Volk wurde ein Spektakel geboten, das es sonst oft jahrelang nicht erleben durfte.
Der Schembart bezog daraus in jener Zeit seinen Schwung, wie anschaulich die Teilnehmerzahl von 150 Läufern anno 1539 zeigt. Doch schon zuvor, zwischen 1520 und 1540, war die mittelalterlich geprägte, eigentlich plumpe Veranstaltung nicht mehr zeitgemäß. Weder kulturell noch in der Religionsentwicklung: Die Renaissance richtete ihre Interessen auf andere Dinge und der Schembart wurde gesellschaftlich nicht mehr getragen.

Schembartlauf heute?
Damit werden die Schwierigkeiten deutlich, wenn wir den Schembartlauf heute, im 20./21. Jahrhundert, wieder aufleben lassen wollen: Die Vorführung reduziert sich auf die Pflege einer glänzenden Tradition Nürnbergs. Eine kleine Gruppe hält die Erinnerung, quasi künstlich, daran wach. Und wenn es auch beträchtlich viele Zeitgenossen gibt, die sich dafür ernsthaft oder oberflächlich interessierten, so werden heutige Schembartläufe doch weder von einem Patriziat, noch von den Handwerkern oder anderen Gesellschaftsgruppen "getrieben". Den Zuschauern gefallen sie zwar als Vorführung im Rahmen des Nürnberger Faschingszuges, doch innerlich können sie sich nicht beteiligen, weil die enthaltene Symbolik nicht die ihre ist. Auch der Wert des Spektakulären ist  verloren, denn Unterhaltung gibt es heute das ganze Jahr über - und dank Fernsehen und millionenschwerem Showgeschäft - meist weitaus eindrucksvoller als beim Schembartlauf. Einen künstlerischen Wert zeigten auch schon die alten Schembartläufe nur sehr begrenzt.

Was bedeutet das für die heutige Schembartgesellschaft?
Diese betrüblich klingende Bilanz zum Schembartlauf heute kann für uns kein Grund zur Trauer sein. Unser Anliegen ist es, seine unbestritten große Bedeutung für Nürnberg in Erinnerung zu halten. Zeigt diese Überlegung doch nur, dass andere Wege, als seine Aufführung, wohl besser und zeitgemäßer sind, ihn als historische Begebenheit zu bewahren.
Einen ersten Beitrag dazu leistet der Name unseres Vereins: "Nürnberger Schembart Gesellschaft". Darüber hinaus wollen wir Informationen zum Schembartlauf bereitstellen, z.B. im Internet. Hin und wieder werden wir auch den Lauf aufführen, wohl wissend, dass dies nur eine "Show" sein  kann. Und vielleicht gelingt es einmal, diese Show so großartig zu gestalten, dass sie, wie damals, von vielen Sponsoren finanziert und beworben wird, hunderte von Tänzern teilnehmen und zu einem wirklich großen Nürnberger Spektakel ausartet.

Mit der Zeit gehen
Die heutige Nürnberger Schembartgesellschaft geht deshalb, auch historisch betrachtet, mit der Zeit. Die Renaissance hat den Schembart-Brauch in Nürnberg abgelöst und sich durchaus zeitlich und personell überschnitten. So pflegt die heutige Schembart Gesellschaft mittlerweile in erster Linie "Musik und Tanz der Renaissance", also Nürnberger Kulturgeschehen genau der selben Jahrzehnte, in denen auch der Schempart lief, nur mit Inhalten aus der neueren, moderneren, musikalisch, tänzerisch und künstlerisch interessanteren Epoche.

Überlegungen von Horst Kaufmann, 2. Vors. der Schembart Gesellschaft, im Frühjahr 2002


Schembart Gesellschaft Nürnberg e.V. - Gestaltung Horst Kaufmann - Kontakt, Anregungen, Auftritte: e-mail info@schembart.de