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Im Nürnberger Fasching früher ...
„Ihr sollt euch schön ausgetobt haben in der Fasten,“ schreibt
Lorenz Behaim am 21. Februar 1507 an seinen Freund Pirckheimer. „Hätte
ich das gewusst, wäre ich auch nach Nürnberg gekommen, um mit euch zu
toben.“
Ein paar Jahre später berichtet ein Nürnberg-Besucher aus Augsburg:
„Da ließ der edle Rath ausrufen die Eröffnung der Fastnachtsfreude.
Alsobald sprangen aus den Häusern heraus die Mummen gar fröhlich und
froh, hatten sich angepuppt als Mohrenweiber, Heidenmänner, als
Lustfeine, schöne Frauen und fahrende Weiber, einige als Vögel,
Meerweiber....“
Erste Erwähnung
Im Rahmen dieses Fastnachtsbrauchs findet sich der Nürnberger
Schembartlauf im Jahr 1449 erstmals schriftlich belegt. Aufschluss über
die Geschehnisse geben die etwa 80 Schembartbücher, die fein säuberlich
darlegen, wie das Treiben vonstatten ging. Über die Route des Zuges gibt
ein Gedicht von Hans Sachs Aufschluss: Burg – Rathaus – Fleischprucken
– Frauenhaus – Deutscher Hof. Gesammelt haben sich die Jecken meist in
einer „Trinkstube“. Vermutlich wurde dort schon heftig gebechert, um
die Stimmung zu heben.
An Anfang der Geschichte: Aufstand der Zünfte
Es war in den Jahren 1348/49 als ein Aufstand der Zünfte Nürnberg in
Unruhe versetzte. Die Metzger und Messerschmiede hielten damals still, und
weil sie dem Rat der Stadt keinen Ärger bereitet hatten, bekamen sie als
Belohnung von Kaiser Karl IV. ein besonderes Privileg zugestanden: Sie
durften jedes Jahr zu Fastnacht einen Tanz aufführen, Kleider von Sammet
und Seide gleich den Geschlechtern und auch Masken tragen – ein großes
Zugeständnis bei den strengen Gesetzen, die sonst in Nürnberg in diesen
Dingen herrschten.
Der Metzger- und Messerer-Tanz
So führten die Metzger, angeblich zum erstenmale im Jahre 1350, einen
sogenannten "Zämertanz" auf, wobei sie sich untereinander an
ledernen Ringen hielten, die wie Leberwürste aussahen. Die Messerschmiede
oder Messerer tanzten mit bloßen Schwertern. Mit den Stadtpfeifern voraus
zogen sie durch die ganze Stadt. Zum Schluss hielten sie ein festliches
Mahl und Gelage. Der großen Kosten wegen aber hielten die Messerer ihren
Umzug anfänglich nur alle sieben Jahre und später mit noch größeren
Zwischenräumen.
Der Schembart
Diese Vergnügungen der Metzger und Messerer waren aber noch kein
eigentlicher Schembart. Dieser soll vielmehr daraus entstanden sein, daß
die beiden Gewerbe, um Platz für ihre Tänze und Aufzüge zu gewinnen,
junge Leute bestellten und ihnen die Aufgabe übertrugen, das zuschauende
Volk zurückzuträngen. Diese Leute wurden in allerlei Mummerei gesteckt,
setzten sich Larven auf und führten hölzerne Spieße und Quarten in der
Hand, mit denen sie die Zuschauer wohl zurücktreiben, nicht aber
verwunden konnten. Die Kosten dafür trugen die beteiligten Handwerker.
Die Sache artet aus
Mit der Zeit aber wurde besonders den Metzgern der Aufwand für die
Belustigung zu groß und sie verkauften oder verliehen gewissermaßen ihr
Recht dazu an andere. Sie fanden junge Leute aus den angesehenen
Geschlechtern der Stadt genug, die sich auf eigene Kosten kleideten und
den Handwerkern gern bei ihren Tänzen Schutz gewährten. Diese Gruppe
bildete eine Art Gesellschaft, die später oft über 100 Personen zählte
und von ein oder zwei Hauptleuten angeführt wurde: So entstand die alte Schembart
Gesellschaft.
Der Schembartlauf und die "Hölle"
Den Rahmen für das Nürnberger Fastnachtstreiben bildeten alsbald die
Schembartläufer, die selbst Tänze darboten. Mit sich führten sie dabei
dann eine sogenannte "Hölle", ein Gefährt auf Schlittenkufen,
das Sinnbild für Tugenden und Laster war und mit dessen Symbolik sie mehr
und mehr die gesellschaftlichen Zustände wie auch die Nürnberger
Obrigkeit verspotteten. 1475 war die Hölle ein großer grüner Drache:
ein Basilisk. Als wohlbekanntes Sagen- und Fabeltier war das feuerspeiende
Wesen gerade recht, um die Aufmerksamkeit der ganzen Stadt auf den Lauf zu
richten ("sein Blick konnte töten ..."). In anderen Jahren
stellte das Gebilde eine Burg dar, eine Windmühle, einen Jungbrunnen oder
einen Backofen.
Das Ende des Treibens
Im Jahre 1539 gab es zum letzten Mal das prächtige Spektakel. Als
"Hölle" führten die Läufer ein Schiff mit sich, das auf dem
Marktplatz von der wüsten Menge gestürmt wurde. Im Jahr darauf war es
mit dem Spuk, mit der Darstellung der Vergänglichkeit des Menschen,
seines narrenhaften Strebens, seiner kardinalen Untugenden in den
Faschingsumzügen vorbei.
Was war geschehen? Der protestantische Hauptprediger in Nürnberg, Andreas
Ossiander, hatte für den Ulk wenig Verständnis. In seinen Predigten
geisselte er das Faschingstreiben als Überreste des Heidentums. Zu oft
spotteten die Schembartläufer mit ihrer Respektlosigkeit während der
wilden Aufzüge auch über ihn. Und als sie eines Tages vor sein Haus
zogen und dann auch noch einzudringen versuchten, war es mit seiner Geduld
am Ende. Ossiander beschwerte sich beim Rat der Stadt, der das wilde
Treiben sofort verbat – vermutlich weil auch ihm die Sache allmählich
nicht mehr ganz geheuer war. So untersagte der Nürnberger Rat das Treiben
"ein für allemal".
Wiederbelebung
Mehrere Wiederbelebungsversuche über die Jahrhunderte hinweg scheiterten.
Erst die Nürnberger Schembart Gesellschaft e.V., gegründet 1974, hat es
geschafft, dem Brauch kontinuierlich über mehrere Jahre hinweg neues
Leben einzuhauchen – mittlerweile seit über 25 Jahren.
Doch auch den Schembartläufern von heute ist es, wie den Zünften damals,
zu aufwendig, den Lauf alle Jahre aufzuführen. So findet der
Schembartlauf nur im Abstand einiger Jahre statt: zuletzt 1999 zur
25-Jahrfeier der Gesellschaft.
Die Schembart Gesellschaft pflegt die
Nürnberger Renaissance Zeit
Parallel dazu - und das über alle Jahre hindurch - haben die Musiker und
Tänzer der heutigen Schembart Gesellschaft die gesamte Renaissance-Zeit
in Nürnberg zu ihrem Thema gemacht. Das Jahr über beschäftigen sie sich
mit der Rekonstruktion und Aufführungen der alten Tänze und der Musik,
wie sie damals in Nürnberg bekannt waren und gepflegt wurden. Und
Nürnberg kannte schon damals ein europaweit internationales Programm.
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